Testosteronmangel (Hypogonadismus): Symptome, Diagnose und Therapie
Testosteron ist das wichtigste männliche Geschlechtshormon. Es wird überwiegend in den Hoden gebildet und steuert weit mehr als die Sexualfunktion: Muskelmasse, Knochendichte, Blutbildung, Körperbehaarung, Antrieb und Stimmung hängen davon ab. Sinkt der Spiegel dauerhaft unter den Normbereich, spricht man von einem Testosteronmangel oder Hypogonadismus. Die Beschwerden entwickeln sich meist schleichend über Monate bis Jahre und werden deshalb häufig übersehen oder anderen Ursachen zugeschrieben.
Symptome eines Testosteronmangels
Die Anzeichen sind vielfältig und betreffen Körper wie Psyche:
- Nachlassendes sexuelles Verlangen: Weniger Lust, seltenere morgendliche Erektionen und Erektionsstörungen
- Müdigkeit und Antriebslosigkeit: Anhaltende Erschöpfung trotz ausreichend Schlaf
- Veränderte Körperzusammensetzung: Abnahme der Muskelmasse bei gleichzeitiger Zunahme des Bauchfetts
- Stimmungsveränderungen: Gereiztheit, gedrückte Stimmung, Konzentrations- und Gedächtnisprobleme
- Knochenschwund: Abnehmende Knochendichte und dadurch erhöhtes Bruchrisiko
- Körperliche Zeichen: Weniger Bart- und Körperbehaarung, mitunter eine Vergrößerung der Brustdrüse (Gynäkomastie)
- Schlafstörungen und Hitzewallungen
Jedes dieser Symptome kann auch andere Ursachen haben. Erst die Kombination aus Beschwerden und einem nachweislich niedrigen Hormonwert ergibt die Diagnose.
Ursachen: primärer und sekundärer Hypogonadismus
Fachlich unterscheidet man zwei Formen. Beim primären Hypogonadismus liegt die Störung in den Hoden selbst — etwa nach Mumps-Orchitis, Hodenverletzungen, Chemo- oder Strahlentherapie oder bei genetischen Ursachen wie dem Klinefelter-Syndrom. Beim sekundären Hypogonadismus funktionieren die Hoden grundsätzlich, erhalten aber aus Hypothalamus und Hypophyse im Gehirn zu wenig Steuerungssignal.
Daneben nimmt der Testosteronspiegel ab etwa dem 40. Lebensjahr natürlicherweise langsam ab. Diese altersbedingte Abnahme allein ist keine Krankheit. Begünstigt wird ein Mangel zusätzlich durch starkes Übergewicht, Diabetes mellitus, chronischen Stress, Schlafmangel, übermäßigen Alkoholkonsum sowie durch bestimmte Medikamente.
Diagnose: worauf es bei der Messung ankommt
Ein einzelner Blutwert reicht für die Diagnose nicht aus. Der Testosteronspiegel schwankt im Tagesverlauf erheblich und ist morgens am höchsten. Deshalb erfolgt die Blutabnahme zwischen 8 und 11 Uhr, idealerweise nüchtern, und wird zur Bestätigung an einem zweiten Tag wiederholt.
Ergänzend bestimmen wir die Hormone LH und FSH — sie zeigen, ob die Ursache in den Hoden oder im Gehirn liegt. Je nach Befund kommen weitere Laborwerte wie Prolaktin, SHBG, Blutbild und PSA sowie eine Ultraschalluntersuchung hinzu. Bei auffälligen Hypophysenwerten kann eine MRT-Untersuchung des Kopfes sinnvoll sein.
Behandlung des Testosteronmangels
Steht die Diagnose fest, richtet sich die Therapie nach Ursache und Lebenssituation:
- Testosteronersatztherapie (TRT): Verfügbar als Spritze mit Langzeitwirkung, als tägliches Gel zum Auftragen auf die Haut oder als Kapsel. Welche Form passt, hängt von Alltag, Verträglichkeit und persönlicher Präferenz ab.
- Behandlung der Grunderkrankung: Bei sekundärem Hypogonadismus steht die Ursache im Vordergrund.
- Lebensstil: Gewichtsabnahme, regelmäßige Bewegung mit Krafttrainingsanteil, ausreichender Schlaf und reduzierter Alkoholkonsum können den Spiegel messbar anheben — bei leichtem Mangel manchmal so weit, dass keine Hormongabe nötig ist.
Eine Testosterontherapie erfordert regelmäßige Kontrollen von Hormonwerten, Blutbild (Hämatokrit) und Prostata. Mögliche Nebenwirkungen sind Hautreaktionen an der Auftragsstelle, eine Verdickung des Blutes sowie eine Verschlechterung einer bestehenden Schlafapnoe.
Wichtig bei Kinderwunsch
Zugeführtes Testosteron drosselt die körpereigene Hormonproduktion und damit auch die Spermienbildung — eine TRT kann die Zeugungsfähigkeit deutlich einschränken, teils langfristig. Bei bestehendem oder möglichem Kinderwunsch besprechen wir deshalb vor Therapiebeginn Alternativen und veranlassen bei Bedarf ein Spermiogramm. Mehr dazu unter unerfüllter Kinderwunsch.
Wann sollten Sie zum Urologen?
Wenn mehrere der genannten Beschwerden über Wochen bestehen — insbesondere die Kombination aus Antriebslosigkeit, nachlassender Libido und Veränderungen der Körperzusammensetzung — ist eine urologische Abklärung sinnvoll. Ein Testosteronmangel ist gut behandelbar, und die Untersuchung besteht im ersten Schritt aus einem Gespräch und einer Blutabnahme. Vereinbaren Sie dafür gerne einen Termin im UROMED Kompetenzzentrum Urologie in Wien.