Nierensteine vorbeugen: Was Sie nach dem ersten Stein wissen müssen

Nierensteine vorbeugen – individuell und steinartspezifisch. Alles über Flüssigkeit, Ernährung und Risikofaktoren. Mit interaktivem Ernährungsberater. Von DDr. Özsoy, Urologe Wien.

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Wer einmal einen Nierenstein hatte, weiß: Es ist kein angenehmes Erlebnis. Was viele nicht wissen – ohne gezielte Nachsorge beträgt das Risiko, erneut einen Nierenstein zu entwickeln, bis zu 60 Prozent. Die gute Nachricht: Mit den richtigen Maßnahmen lässt sich dieses Risiko deutlich senken.

Nierensteine entstehen, wenn bestimmte Substanzen im Harn in zu hoher Konzentration vorliegen und auskristallisieren. Je nach Art des Steins unterscheiden sich die Risikofaktoren – und damit auch die Gegenmaßnahmen.

Allgemeine Maßnahmen zur Vorbeugung

Diese Maßnahmen gelten unabhängig vom Steintyp für alle Patienten:

Ausreichende Flüssigkeitszufuhr

Die wichtigste Einzelmaßnahme: täglich etwa 2,5 Liter Flüssigkeit, vorzugsweise Mineralwasser oder Früchtetees, gleichmäßig über den Tag verteilt. Konzentrierter Urin ist der häufigste Risikofaktor für Steinbildung – mehr Trinken verdünnt steinbildende Substanzen im Harn.

Ausgewogene, ballaststoffreiche Ernährung

Täglich 5 verschiedene Obst- und Gemüsesorten, bevorzugt ballaststoffreich und fettarm. Empfehlenswert: Früchtemüsli auf Haferflocken-Basis, Linsen, Bohnen, frisches Gemüse. Tierisches Eiweiß (Fleisch, Wurstwaren) sollte auf ca. 0,8 g pro Kilogramm Körpergewicht täglich reduziert werden. Salzzufuhr maximal 6 g pro Tag.

Regelmäßige sportliche Aktivität

Mindestens zweimal wöchentlich 30 Minuten Bewegung (Spazieren, Radfahren, Laufen, Schwimmen). Gewichtsnormalisierung verbessert den Stoffwechsel und reduziert die Ausscheidung steinbildender Substanzen.

Laborkontrollen beim Facharzt

Nach einem Nierenstein sollten regelmäßig folgende Werte kontrolliert werden: Harnsäure, Harnstoff, Kreatinin, Kalzium sowie Blutfette (Triglyzeride, LDL- und HDL-Cholesterin). Auch Hormonstatus (Vitamin D, Parathormon) kann relevant sein.

Die häufigsten Steinarten

Es gibt zahlreiche Arten von Harnsteinen, die sich in Zusammensetzung, Ursache und Prävention grundlegend unterscheiden. Nach spontanem Abgang oder operativer Bergung eines Steins kann eine chemische Analyse durchgeführt werden – sie ist die Grundlage für jede gezielte Prophylaxe.

Kalziumoxalatsteine machen 70–75 % aller Harnsteine aus. Sie entstehen durch erhöhte Oxalat- oder Kalziumausscheidung, metabolisches Syndrom oder zu geringe Flüssigkeitszufuhr.

Harnsäuresteine machen bis zu 10 % aus und gelten überwiegend als ernährungsbedingt – zu viel tierisches Eiweiß, Alkohol, Fastenkuren oder ein metabolisches Syndrom begünstigen ihre Entstehung.

Phosphatsteine (Infektsteine) entstehen meist durch Harnwegsinfekte oder Stoffwechselstörungen wie eine Überfunktion der Nebenschilddrüse.

Zystinsteine sind genetisch bedingt und erfordern fast immer zusätzliche medikamentöse Therapie – allgemeine Maßnahmen allein reichen nicht aus.

Infektsteine – wenn Nierensteine und Harnwegsinfekte zusammenkommen

Wer nicht nur Nierensteine hat, sondern auch immer wieder unter Harnwegsinfekten leidet, sollte an sogenannte Infektsteine denken. Dabei handelt es sich um Phosphatsteine, die durch bestimmte Bakterien entstehen, die den Harn zersetzen und dadurch den Urin-pH in einen Bereich verschieben, in dem Phosphatkristalle auskristallisieren.

Das Tückische: Infektsteine und Harnwegsinfekte bedingen sich gegenseitig – der Stein begünstigt die Infektion, die Infektion fördert weiteres Steinwachstum. Ohne Behandlung beider Probleme ist das Rezidivrisiko besonders hoch.

Im UROMED Kompetenzzentrum Urologie führen wir bei Verdacht auf Infektsteine eine gezielte Abklärung durch: ausführliche Anamnese, Harnanalyse und Harnkultur, Blutuntersuchung inklusive relevanter Stoffwechselparameter sowie bildgebende Diagnostik. Nur auf Basis dieser Gesamtdiagnose lässt sich eine wirksame, individuelle Prophylaxe-Strategie entwickeln.

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Schritt 1 von 5

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Nährstoffgehalt im Vergleich

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mg Oxalat pro 100 g Lebensmittel

Unbedenklich (<100) Moderat (100–300) Reduzieren (>300)

Häufige Fragen

Warum soll ich Milchprodukte nicht meiden, obwohl Kalziumsteine häufig sind?

Das ist einer der häufigsten Irrtümer bei Nierensteinpatienten. Kalzium aus der Nahrung bindet sich im Darm an Oxalat – bevor es resorbiert werden kann. Weniger freies Oxalat gelangt in den Blutkreislauf und damit in den Urin. Wer Kalzium meidet, erhöht paradoxerweise die Oxalatausscheidung im Urin und damit das Risiko für Kalziumoxalatsteine. Empfohlen ist eine normale Kalziumzufuhr von ca. 1 g pro Tag – entspricht etwa drei Portionen Milchprodukten täglich.

Welches Mineralwasser ist empfehlenswert?

Das hängt vom Steintyp ab. Bei Kalziumoxalat- und Harnsäuresteinen: bikarbonatreiches Mineralwasser und Zitrusfrüchte (erhöhen den Urin-pH). Bei Phosphatsteinen: sulfatreiches, bikarbonatarmes Mineralwasser sowie Preiselbeersaft (senken den Urin-pH). Bei Zystinsteinen: bikarbonatreiches Mineralwasser plus Zitrusfrüchte.

Ab wann sollte ich zum Urologen?

Nach jedem erstmaligen Nierenstein. Eine Steinanalyse, Laborkontrolle und individuelle Ernährungsberatung beim Facharzt reduzieren das Rezidivrisiko deutlich. Besonders wichtig ist engmaschige Nachsorge bei Phosphat-, Zystin- und Harnsäuresteinen – hier ist das Rückfallrisiko besonders hoch.


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Verfasst von Priv. Doz. DDr. Mehmet Özsoy, Facharzt für Urologie, UROMED KompetenzZentrum Urologie Wien. Bei Fragen oder für einen Termin: (01) 353 44 14 oder Termin online buchen.

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